Dienstag, 24. Oktober 2006

Vorlesungsbeginn.

Ach wie war das so schön kuschelig heute morgen im Bus zur Uni... Ich habe mich gemütlich gegen die Zieharmonikawand gelehnt, meinen Rucksack zwischen die Beine geklemmt, der Studentin neben mir beim Festhalten an der Stange den Arm um die Schulter gelegt, dem Kommilitonen vor mir meinen Fuß zum Abstellen seiner Tasche und zeitweise auch seines Fußes überlassen, dem Mädchen links von mir meine Schulter zum Anlehnen geboten und das Aftershave des Mannes eingeatmet, der sich mit seiner linken Körperhälfte auch noch zu der Runde gesellte.

Auf dem Campus habe ich dann meinen Oberkörper als Puffer für die Ellenbogen gestresster Mitmenschen hergegeben, bin höflich den Regenschirmen von Zuckerhäschen ausgewichen, habe auf einem Fußmarsch von 200 Metern ich weiß nicht wievielen Erstsemestern den Weg zu verschiedenen Räumlichkeiten erklärt und mir insgeheim gedacht:

GEHT DOCH ALLE NACH HAUSE!!!

Im Ernst. Diese Universität stößt nicht nur langsam an ihre Kapazitätsgrenzen, so wie es ein Dozent gestern vorsichtig formulierte - sie hat sie schon längst überschritten.
Nicht dass ich es nicht nachvollziehen könnte, dass Abiturienten oder schon Studierende aus anderen Bundesländern den Studiengebühren nach Rheinland-Pfalz zu entfliehen versuchen. Ich habe auch nichts gegen Erstsemester im Allgemeinen, bin ja selbst noch kein alter Hase. Aber wie soll das denn bitte weitergehen?

Ich habe keine Lust auf Dozenten, die den hoffnungslos überfüllten Seminarraum vor der ersten Sitzung betreten mit der Aussage: "Es gibt Momente im Leben, da amüsiert mich die Hoffnung fremder Menschen - so wie heute", um dann mit bitterer Miene einen nach dem anderen rauszuschmeißen und den Nachzügler zu bitten, die Tür von außen zuzumachen, weil er auf Wartelistenplatz 46 steht.

Ich habe keine Lust auf Seminare, in denen man die Schrift auf den Overheadprojektionen nicht mehr lesen kann, weil man am anderen Ende des Raumes auf der Heizung sitzt und in denen man den Dozenten kaum verstehen kann, weil 20 der 50 anwesenden Kommilitonen ihren Sitznachbarn wichtige Neuigkeiten zu erzählen haben.

Ich habe keine Lust auf stundenlanges Anstehen in der Mena, auf 100 Meter lange Staus vor den Ausgängen (wo bitte soll ich denn raus, wenn es brennt?), auf Rausgeschmissenwerden aus Seminaren, auf Mitschreiben ohne Tisch vor mir, auf unverschuldet die Zwischenprüfung ein Semester später machen müssen, auf leergeräumte Bücherregale und permanent entnervte Dozenten.

Und am wenigsten Lust habe ich auf Kommilitonen, die mit den Schultern zucken, wenn sie ihre Studienwahl begründen sollen und sagen: "Ich hatte keine Ahnung, was ich sonst machen sollte." Schönen Dank auch.

Montag, 23. Oktober 2006

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Vor lauter Hausarbeit schreiben habe ich völlig verdrängt, dass ich noch nicht alle ausstehenden Beiträge für das Trierer Medienblog geschrieben hatte. Das habe ich eben noch flott nachgeholt und bei der Recherche dazu kamen interessante Fakten zu Tage. Die kritische Beschäftigung mit der Medienlandschaft habe ich in letzter Zeit offensichtlich sträflichst vernachlässigt:

StudiVZ.net gewinnt an Popularität

YouTube in Bedrängnis

History matters

Mangelhafte Positionierung

Die Beiträge sind nun jedenfalls abgeliefert, für den benoteten Teilnahmeschein fehlt also nur noch die Abgabe einer zufriedenstellenden Hausarbeit. Also weiter ran ans Werk...

Sonntag, 15. Oktober 2006

Rausgewachsen.

DeDe hat hier und hier schon treffend und bewegend erzählt, wie er sich fühlt wenn er zurückkehrt in seine Heimat. Ich habe dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, er spricht mir aus der Seele.

Dieser Tage ist mir aber ein Lied zu Ohren gekommen, das ein paar Gymnasiasten aus Idar-Oberstein in Heimarbeit "produziert" haben und das DeDes Gedanken stützt.
Beim Refrain sollte man die Ohren vielleicht eher zumachen, aber der Rap ist höhrenswert. Genauso hatte ich es sechs lange Jahre lang empfunden und dann meine Koffer gepackt, um auszubrechen nach Frankfurt.

Hier hören: Mein Idar-Oberstein

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Ich mag nicht mehr.

Keinen Bock mehr auf

Hausarbeit

sondern viel viel mehr auf

Lloret

Samstag, 7. Oktober 2006

Ablenkung.

Statt meine Lese-Pausen möglichst kurz zu halten und damit die Kausalkette gute Hausarbeit, gutes Studium, guten Job und gutes Geld anzustoßen, überlasse ich meine Zukunftsplanung lieber blogthings.com.

Mit erfreulichem Ergebnis:

Your Chances of Being a Multimillionaire: 76%

You have a good chance of being a multimillionaire. Better than most people.
You simply have a natural knack for money and the personality for success.

Und das große Geld verdienen werde ich angeblich so:

Your Career Type: Artistic

You are expressive, original, and independent.
Your talents lie in your artistic abilities: creative writing, drama, crafts, music, or art.

You would make an excellent:

Actor - Art Teacher - Book Editor
Clothes Designer - Comedian - Composer
Dancer - DJ - Graphic Designer
Illustrator - Musician - Sculptor

The worst career options for your are conventional careers, like bank teller or secretary.

Blöd ist bloß, dass den meisten Künstlern erst nach ihrem Tod die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird... Ich werde also für meine Millionen dann doch was handfestes arbeiten müssen. Schade eigentlich.

Mittwoch, 4. Oktober 2006

Einblicke in Abgründe.

Vor einer Weile habe ich schon einmal einen Bericht zu einem ähnlichen Thema gepostet. Heute wurde ich aber so geballt mit den Abgründen der Menschheit konfrontiert, dass ich mir einen weiteren Bericht nicht verkneifen kann.

Der Wecker klingelte um 7:30 Uhr nach geschätzten dreieinhalb Stunden Schlaf. Das war aber selbst auferlegt, denn Chia und ich hatten geplant, uns eine Gerichtsverhandlung im Landgericht anzusehen. Und damit haben wir den Tag mit einem Erlebnis eingeläutet, das alleine schon genügt hätte, drei weitere Tage über das Schlechte im Menschen zu diskutieren.

Da saß dieser Mann Ende zwanzig neben seiner kaum älteren, adretten Anwältin, verurteilt wegen dreifachen Mordes und erneut angeklagt wegen eines Sexualdeliktes, und zeigte keine Regung, als der Tathergang der von ihm begangenen Morde noch einmal detailliert geschildert wurde. Ein Mann, den ich auf der Straße eher übersehen, als dass ich mich vor ihm geängstigt hätte, der drei Männer aus Habgier auf niederträchtigste und brutalste Art und Weise aus dem Leben gerissen hat. Ich versuchte krampfhaft, mir die Tathergänge mit ihm als Protagonisten vorzustellen - und bin gescheitert. Dass ein Mensch - dieser Mensch, der dort vor mir saß und so ekelhaft normal aussah - zu solcher Grausamkeit fähig ist, übersteigt meine Vorstellungskraft.

Die anschließende Zugfahrt nach Koblenz mit dem Ziel IKEA haben Chia und ich dann diskutierend und philosophierend verbracht - und haben vor allem das thematisiert, was uns in den folgenden Stunden anschaulich bewiesen wurde:
Die Chancenlosigkeit vieler Kinder dieses Landes, die in Familien geboren werden, die entweder keine Familien mehr sind oder sich nicht für ihre Kleinen interessieren. Mit weitreichenden Konsequenzen.

Um nur die prägnantesten Momente aufzuführen:

Auf der Treppe im Hauptbahnhof Koblenz stauen sich die Reisenden, es geht kaum voran. Grund ist eine alte Dame, die beim Treppenabstieg mit sich und ihrem kleinen Koffer kämpft. Die jüngeren Menschen drängen sich an ihr vorbei, rempeln sich gegenseitig an - schnell vorbei an dem Hindernis. Als Chia die Dame fragt, ob sie ihr helfen könne und ihr den Koffer aus der Hand nimmt, erntet sie einen Blick grenzenlosen Erstaunens und ein erleichtertes Lächeln. Das Hilfsangebot war offensichtlich keine Selbstverständlichkeit.

In den Bus von IKEA zurück Richtung Innenstadt steigen drei Mädchen ein. Noch unfertiger Körperbau, modisch knapp bekleidet, Glitzer und Schmuck vom Haar bis zu den Schuhspitzen, vorm Einsteigen noch schnell die Zigarette weggeschnippt - und den Kinderwagen in den Bus gehievt. Die Kinderwagenbesitzerin schätzen Chia und ich großzügig auf gerade mal 15, das Baby ist ungefähr sechs Monate alt. Zwei der Mädchen setzen sich schon mal mit aufgedrehtem Mp3-Player hinter uns auf die Rückbank, die kindliche Mama klemmt ihr Kleines wie einen Gegenstand unter den Arm und setzt sich dazu. Als der Säugling anfängt zu schreien, bekommt er einen Lutscher. Chia und ich wechseln stumm entsetzte Blicke.

Abends zurück in Trier der krönende Abschluss - wieder im Bus. Links von uns unterhalten sich zwei Teenies über das Fremdgehen des Freundes der einen, wobei jedes zweite Wort "ficken" und jedes dritte "Fresse" ist, und klar wird, dass sich eine der beiden schon eine Anzeige wegen einer Schlägerei eingefangen hat. Und auch in dem Gespräch der Halbwüchsigen rechts von uns geht es primär ums "in die Fresse schlagen", sekundär um Alkohol und am wichtigsten ist bei jeder Anekdote die Rückfrage "Hat einer geblutet?".

Unser Tag war nicht schlecht. Im Grunde war er sogar ausgesprochen gut. Wir haben unser Wissen über die deutsche Justiz erweitert, interessante Gespräche geführt, IKEA leer gekauft, gealbert und gelacht. Aber diese Momente, in denen wir vor Augen geführt bekamen, wie anders sich ein Leben gestalten kann, haben uns heute auch verdammt nachdenklich gestimmt.

Und wir waren uns einig als wir feststellten, dass wir gesegnet sind mit unseren Familien, überzeugt sind von unserer - manchmal als naiv oder süß belächelten - Moral und hoffen, dass es auf dieser Welt noch ein paar mehr Menschen gibt, die alten Damen ihre Koffer tragen.

Dienstag, 26. September 2006

Zurück.

Trier und das Internet haben mich wieder.
Zwar ist das Wetter hier nicht so schön wie in München und mein Laptop hat nach der Rückkehr in die historische Stadt auch aus Protest den Geist aufgegeben - aber was macht das schon, wenn man hier so süß empfangen wird und einmal mehr merkt, dass man die besten Freunde der Welt hat.

Freitag, 15. September 2006

Ups.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich mit diesem Beitrag völlig blamiere: Hier ein kleiner Erfahrungsbericht von diesem Nachmittag.

Wenn man schon in einer Millionenstadt an seiner Hausarbeit arbeitet und sowieso seit längerem entnervt ist von der süßen kleinen Medienwissenschafts-Abteilung in der Universitäts-Bibliothek Trier, dann liegt der Gedanke nahe, die Universitäts-Bibliothek der LMU in München aufzusuchen und sich dort mit passender Literatur einzudecken.

Der Münchner Online-Bibliotheks-Katalog funktioniert ähnlich dem der Trierer Bibliothek, in kurzer Zeit sind ein Duzend vielversprechender Titel gefunden.
Alle Titel und Signaturen akribisch auf einen Zettel notiert steige ich also nach einem Abstecher in die Innenstadt an der U-Bahn-Station aus und fahre mit der Rolltreppe rein in den strömenden Regen. Aber halb so schlimm, ich bin ja nicht aus Zucker und weit kanns nicht mehr sein. Dachte ich. Leider bin ich eine Station zu früh ausgestiegen und stiefele wie eine nasse Katze in das riesige Foyer der Bibliothek.

Ich suche vergeblich nach Hinweisschildern und steuere deshalb auf den einzigen Schalter zu, den ich entdecken kann und frage, wo ich die Magazinbestände finde. Der mürrische Mann ist aber nur der Pförtner und nicht sehr kommunikativ. Entschuldigung. Schnell weg.

Nachdem ich die Schließfächer gefunden und meine Sachen eingeschlossen habe, laufe ich auf der überdimensionalen Steintreppe gefühlte hunderttausend Stufen in den ersten Stock. Immernoch keine hilfreiche Beschilderung.

Ich finde den nächsten Schalter. Brav stelle ich mich an, bis alle Besucher vor mir dem Bediensteten ihre Unterlagen gezeigt haben und die Schranke passieren dürfen. Ich stelle erneut meine Frage nach den Magazinbeständen. Diesmal habe ich einen etwas freundlicheren Mann erwischt, der allerdings nichts anderes tut, als die ein- und ausgehenden Besucher zu kontrollieren. Verdammt.

Kleinlaut schleiche ich zu dem nächsten Tresen und traue mich kaum noch zu fragen. Aber hier bin ich richtig. Information. Jedoch nur eine kleine. Er könne mir nur eine vage Auskunft geben, macht nichts, besser als nix. Ah ja, ok, also durch die Tür durch und dann rechts fängts bei den 0001ern an. Danke vielmals.

Ich schlängele mich durch dicht beieinander stehende und von fleissigen Menschen besetzte Lesetische, jeder nobel mit Leselampe und Stromanschluss ausgestattet und suche. Und suche. Und suche. Und komme mir immer unfähiger vor. Irgendwann gebe ich mich geschlagen und wende mich an die nächste Informationsstelle.

Diesmal starte ich sofort mit der Entschuldigung, zum ersten Mal in dieser Bibliothek zu sein und mich nicht auszukennen. Der nette Herr sieht sich meine Notizen mit den Signaturen an, schaut hoch, grinst und sagt "Junge Frau, das sind die Signaturen der Universitätsbibliothek".
Ich grinse zurück und antworte selbstbewusst "Ich weiß". Er grinst noch breiter und erwidert "Die ist um die Ecke. Sie sind hier in der Bayrischen Staatsbibliothek".

Oh Erde, tu dich auf.

Peinlich. Aber sowas von. Der gute Mann erklärt mir dann stolz, als sei es seine eigene Erfindung, das System der bayrischen Bibliotheken und sagt, die Bücher die ich suche hätten sie da, ich könne sie jetzt ja dann gleich bei ihm bestellen, sie seien dann in drei Tagen da.
Ich traue mich ja kaum noch zu fragen, aber... bestellen? Ich denke sie sind vorrätig? Er grinst noch breiter und sagt triumphierend "Diese Bibliothek besitzt über 9 Millionen Bücher. Da sind sie noch in einer Woche mit der Suche beschäftigt".

Aha. Egal. Rückzug. Rückzug! Ich brauche diese Bücher nicht, ich brauche gerade nichts als ein Entkommen aus dieser Peinlichkeit. Ich nehme meinen letzten Rest Charme zusammen und lache "Nunja, ich studiere an der Universität in Trier, da ist das alles etwas... überschaubarer. Das sind ja hier dann doch andere Dimensionen...". Jetzt lacht der Herr auch, fast etwas zu laut für den ehrwürdigen Lesesaal. "Jaja, ich weiß. Meine Frau kommt aus Pallien. Das ist tatsächlich eine andere Dimension".

Dann drückt er mir meine Notizen zurück in die Hand und rät mir verständnisvoll und beinahe mitleidig, wenn ich zurück zuhause sei, die gewünschten Bücher doch einfach per Fernleihe von München nach Trier zu bestellen. Das würde eh kaum länger dauern, als die Ausleihe vor Ort in München.

Oh Welt, du Dorf. Oh Lisa, du Schaf.

In diesem Sinne verabschiede ich mich in eine Woche internetlosen Rest-Urlaub in München. Peinlicher kanns eh nicht mehr werden.

Die Gedanken danach.

Dem Filmstart von "Das Parfum" wurde kritisch entgegengesehen. Kaum vorstellbar, dass ein solch bewegender Roman von einem Autor, der es schafft, die Leser mit Worten in die Welt der Gerüche zu entführen und Wohlgefallen und Ekel so greifbar zu vermitteln, auch nur ansatzweise zufriedenstellend filmisch umgesetzt werden kann.

Doch man kann. Bernd Eichinger kann und Tom Tykwer kann. Und noch mehr kann Ben Wishaw, dessen schauspielerisches Talent mehr als beeindruckend ist.
Selbstverständlich hat der Film Schwächen, doch was auf dem Heimweg nachklingt ist uneingeschränkte Begeisterung. Der Film hat so sehr bewegt, dass das folgende Gespräch über die Filmbesprechung hinausgeht und geradezu philosophisch wird.

Über viele Gedankensprünge und Themenwechsel folgt zu später Stunde einmal mehr die Feststellung: Der Mensch ist ein kleines Rädchen. Ein kleines Rädchen in dem großen Getriebe der Gesellschaft, das vielleicht nicht immer Lust hat, sich im Uhrzeigersinn zu drehen, aber weiß, dass es keinen Zweck hat, sich in die entgegengesetzte Richtung zu stemmen.

Dieser Idealismus aus meiner Kindheit... Die feste Überzeugung, dass - wenn nur jeder einen kleinen Teil beiträgt - das Gesicht der Welt verändert werden kann. Der Anblick eines Obdachlosen auf der Straße oder einer einsamen alten Frau auf der Parkbank konnte mir die Tränen in die Augen treiben und mich tagelang verfolgen. Und selbstverständlich war ich überzeugt, nur einen Beruf auszuüben, mit dem man den Gang der Dinge positiv beeinflussen kann - wenn auch nur im Detail.

Heute gehe ich an einem alten buckligen Mann vorbei, der mit ärmlicher Kleidung einsam an einem Restaurant-Tisch sitzt inmitten des jungen Treibens an der "Münchner Freiheit" und mit eingezogenem Kopf all seine Konzentration der Frikadelle auf seinem Teller widmet. Ich könnte auf der Stelle vor Mitleid in Tränen ausbrechen. Aber das geht nicht. Dieser Mann hat sein Leben, ich habe mein Leben. Ich gehe um die nächsten zwei Ecken und habe den alten Mann vergessen. Weil es unangenehm ist, über ihn nachzudenken. Über ihn und darüber, welche Rolle wir eigentlich spielen, welche Funktion jedes einzelne kleine Rädchen hat, das in dem großen Getriebe mehr oder weniger eifrig mitläuft.

Man wächst auf mit Werte- und Moralvorstellungen in dem Glauben, die Welt sei wunderbar. Man wächst heran und beginnt zu begreifen, dass der Schein trügt. Dass die Menschen dank all dem unschätzbaren Wissen, das über Jahrhunderte angehäuft wurde, zwar begreifen, dass sie sich zu Grunde richten. Dass ihre Art zu leben nicht die richtige - oder sagen wir perfekte - ist und dass sie auf dem besten Wege sind, sich einzureihen in eine der vielen großen Kulturen, die am Ende sich selbst zerstörten.

Der (reflektierte) Mensch weiß all das und ergreift einen Beruf, der im Idealfall etwas Freude bringt, mindestens aber das monatliche Einkommen sichert, er erfüllt sein Leben mit Dingen, die keine Nachhaltigkeit besitzen und fragt sich, worin eigentlich der Sinn besteht. Es muss doch in einer solch fortschrittlichen Kultur um mehr gehen, als ums nackte Überleben, als um fressen und gefressen werden.
Und dann setzt er Kinder in die Welt, erzieht sie mit den noch übrig gebliebenen Werte- und Moralvorstellungen und hofft, dass sie es einmal besser machen mögen.

Miss Whatever

"Das ist meine Weltanschauung, wer aber die gegenteilige hat kann weise sein, sagt der Weise. Das ist meine Weltanschauung, und wer eine andere hat ist ein Tor, sagt der Tor." (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach, 1830 - 1916)

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